Der Journalismus.

(1/2016 A.D.)
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“Was wir hinzudichten ist nicht so schlimm wie das, was wir weglassen.” – alte Journalisten-Weisheit.

Auch so sind Medien.
Auch so sind Medien.

Der klassische Journalist* rekrutiert sich aus der gehobenen
Mittelschicht sprich, der Bobo- und Hipsterklasse[0][1]. Das kann
von jedem mit einem Hang zur Feldforschung überprüft werden.
Unter Journalisten* gibt es hier ein “In-Group-Verhalten”, bedingt
durch ähnliche Bildungswege, geteilte Interessen und kongruente
Identitäten. Über dieses Verhalten grenzt sich dieses Milieu von
anderen sozialen Teilgruppen ab. Es gibt also eine In-Group
(Journalist*) und eine Out-Group(Plebs, Pöbel, Fellachen)
In ihrer Milieublase gefangen und unfähig mit anderen mitzufühlen,
veranstaltet diese Gruppe gerne “moralischen Imperialismus”.

Einer Studie[S.40] aus dem Jahr 2009 folgend lässt sich sagen
das 46% aller deutschen Politikjournalisten* das vermitteln von,
durch sie als positiv bewerteten, Idealen ganz oben auf ihrer
persönlichen Agenda stehen haben. Einige andere sind wohl
wenigstens so schlau es nicht bei einer Befragung anzuführen.

Nun; diese Erkenntnis bringt uns bei der Einschätzung von
journalistischen Schreibarbeiten ein gutes Stück weiter.
Mit dem Status und der dazugehörigen Sozialisation kann
man in etwa den Habitus eines Textautors einschätzen.
Da ein sich ähnelnder Habitus dazu führt die Welt ähnlich
zu sehen ergibt sich auch der Eindruck der mangelnden Pluralität.
“Lügenpresse” wird das dann zum Beispiel, in völliger Verkennung
der Gegebenheiten, genannt.

Qualitätsjournalismus versucht im Optimalfall Zahlen, Daten,
Fakten und die Meinung des/der Redakteur*in zu trennen.
Niedrigniveaujournalismus erkennt man oft schon daran das in der
Artikelüberschrift eine Meinung transportiert wird; möge das auch
nur unterschwellig passieren.

Und nun noch in Anlehnung an Prof. Kruse etwas über die Zukunft des Journalismus: Ein guter Journalist wird in Zukunft nicht
derjenige sein, der als erster oder einziger eine Information besitzt.
Derjenige wird ein guter Journalist sein, der eine Information
besser verarbeitet. Journalismus ist eine innere Haltung des
Bemühens um Qualität. Es geht aber natürlich auch um
Verifikation und Bewertung von Dingen.

Mehr als diese Brille kann ich euch nicht anbieten, sehen müsst ihr
selbst.

“Nicht weinen, nicht zürnen, sondern begreifen!” – Spinoza.


[0] Die gröbste Einteilung von gesellschaftlichen
Schichten/Klassen (heute spricht man von Milieus) erfolgt bei der
Unterteilung von Ober-, Mittel- und Unterschicht. Das ist aber alles
andere als optimal; suboptimal ist das ganze ja deswegen weil die
Betonung der Individualität, von Menschen, nie vergessen werden
darf. Selbst die Einteilung in 7 oder mehr Schichten(Klassen) ist
an-sich nur ein Hilfsmittel um Dinge benennen zu können. Ohne
Benennung keine Handhabe, leider.

[1] https://www.heise.de/tp/features/Medien-in-der-Filterblase-Das-ist-nicht-nur-eine-Gefahr-sondern-eine-Tatsache-3830955.html?seite=all

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