Rassismus.

(4/2016 A.D.)
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Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar sagte einst
Ingeborg Bachmann und zwar in dem Sinne das man
jemanden die Augen öffnet. Nun den, so soll es sein.

Ameisen welche mehr Instinkt als Kultur haben.
Ameisen welche mehr Instinkt als Kultur haben.

Ich habe ein wenig überlegt ob dieses Themen zu thematisieren
allzu klug ist. Leider gibt es hier ein paar bittere Wahrheiten.
Es handelt sich hier sicher nicht um geheimes Wissen auch
wenn man es vielleicht zum verbotenen Wissen zählen könnte.
Verbotenes Wissen ist einfach der Teil des wissbaren das,
wenn gewusst, einfach nur spärlich und wenn dann auch
nur in kleinen Häppchen weitergegeben wird. Einfach aus
dem Grund weil allzu viel Wissen die Suppe des Lebens
durchaus verderben kann.

Nun zum Rassismus.
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Lassen sie mich so beginnen:

“Alle politischen Gebilde sind Gewaltgebilde.”
– Max Weber (1864-1920)

Die Konstitution und Erhaltung z.B. eines Staates(Nation) erfordert
die Ausübung von Macht für und durch den Staat an-sich. Wäre
das nicht der Fall würde das Gewaltgebilde Staat ziemlich schnell
in sich zusammenfallen.

Niccolò Machiavelli (1469-1527)
Niccolò Machiavelli (1469-1527)

Niccolò Machiavelli (1469-1527) ist ein guter Einstiegspunkt um
zu sehen das schon seit Jahrhunderten der europäischen
Ideengeschichte absolut klar ist das der Staat im Prinzip
alle Rechte hat sich selbst zu erhalten[0]. Auf Teufel komm
raus und was auch immer die Mittel dafür sind. Ohne jetzt
Ewigkeiten über systemtheoretische Belange aufzuklären sei
gesagt das Selbsterhalt, von was auch immer, Ausübung von
Gewalt bedingt. Ohne Ausübung von Gewalt hätten Systeme,
um welche es sich auch immer handelt, keinen Bestand und
würden einfach verschwinden.

Auch bei T.Hobbes (1588-1679) kann man gut erkennen
welchem Teil eines Staates die Macht zugesprochen wird.
Wollen sie bei den nachweisbaren Anfängen solcher
Überlegungen beginnen gehen sie zu Platon und lesen
sie “Der Staat”. Und ob der Fahrer des Wagens nun durch
“g*ttes Gnade” erwählt wurde oder ob eigens Repräsentanten
gewählt wurden ist egal. Es fährt immer nur einer den Wagen.
In einer Monarchie ist es der|die Monarch*in, in der
repräsentativen Demokratie die Regierung/das Parlament.[1]

Ich möchte hier nicht allzu weit in der Entwicklung des Menschen
zurückgehen um zu zeigen das schon im einfachen Tierreich
Verhaltensweisen die wir als Rassismus/Xenophobie identifizieren
könnten angelegt sind. Wählen wir als Einstiegspunkt die Zeit der
Menschengeschichte in der die Organisation von Menschen
innerhalb von Stammesgesellschaften stattfand.

Stammesgesellschaften sind Gesellschaften die sich noch
nicht über die klassischen Eckpfeiler einer Nation definierten
(Land, Volk, Staatsgewalt) sondern über die Zugehörigkeit zu
einer Sippe, zu einem Stamm. Rassismus/Xenophobie war|ist
in solchen Organisationsformen eine vollkommen natürliche
und zum Überleben und Fortbestand notwendige Funktion
für eine Gruppe. Auch heute noch gibt es in einer nach
Stämmen organisierten Gesellschaft keine pro und contra
Rassismus Diskussion. Jeder hat(te) einfach zu seiner eigenen
Mannschaft zu halten. Denn das moralisch Gute ist einfach
selten das biologisch Erfolgreiche. Aufgrund der langen
Tradition von Rassismus muss man vermutlich sogar von
einem (instinktiven)/kulturell geprägten Rassismus sprechen.

So sah man das damals.

Noch im, sagen wir 18. Jahrhundert war Rassismus weltweit kein
Diskussionsgegenstand weil man einfach das war was man heute
als rassistisch bezeichnet. Erst als moderne Staatsgebilde
mit einer bunten Gesellschaft entdeckten das innerstaatlicher
Rassismus zu Reibungsverlusten innerhalb der eigenen
Organisationsstruktur führt die der Nation schaden kann kam
es zu den ersten Antirassismus-Konventionen durch die
Staatenlenker*innen. Ein Krieg mit einer bunt gemischten
Armee die sich intern durch Rassismus schwächt ist einfach
keine gute Idee. Auch wird die in der Wirtschaft dringend
benötigte Kooperationsbereitschaft gemindert.

Sehen sie. Ein gutes Beispiel sind z.B. die U.S.A.
Die U.S.A. können sich schon aus reinem Eigennutz keinen
Rassismus leisten weil aufgrund der vielen verschieden
Ethnien im Land die Konflikte und Reibereien zu derartigen
Auseinandersetzungen führen würde das die Nation als
ganzes gefährdet wäre. Das ist mitunter auch der Grund für
die umfangreiche Anti-Rassismusgesetzgebung die bis
zum rechtlichen Gegenstand des “Hassverbrechens” führt.

Bei Sexismus und anderen Formen der Diskriminierung verhält
es sich ja so. Eine hochgezüchtete Wirtschaft die einem
Staat sowohl in Friedens als auch in Kriegszeiten nützlich ist
lässt sich ohne Zuarbeit von Frauen und vormals ausgegrenzten
Menschen gar nicht mehr, auf dem heutigen Stand erhalten. Es ist
im ureigensten Interesse der neoliberalen Wirtschaft und des
darauf bauenden Staates alles was arbeiten kann auch für
sich arbeiten zu lassen. Bei Beibehaltung der traditionellen
Familienverhältnisse z.B. wäre ein dermaßen hoher
wirtschaftlicher Output nicht zu schaffen. Wie Japan
derartige wirtschaftliche Leistungen trotz des, für unsere
Gewohnheiten, starken Ausbildung von rassistischen und
sexistischen Tendenzen schafft ist dadurch zu erklären
das es eine für unsere Verhältnisse höhere Leistungskultur
gibt und das Konflikte zwischen Ethnien kaum entstehen
weil Japan ethnisch sehr homogen gehalten ist.

Bis jetzt habe ich beschrieben wie die Denkungsart von oben
nach unten funktioniert aber außer die Sache mit dem
kulturell geprägten Rassismus habe ich noch nicht erwähnt wie
die Denkungsart von unten nach oben aussieht. Rassismus aber
auch Sexismus und andere Arten von Diskriminierung sind
vor allem für die betroffenen Menschen einfach Scheiße zum
Quadrat. Das kann man nicht anders sagen. Das jeder
Mensch mal da wie dort abgelehnt wird ist kein Geheimnis.
Besonders aber jene Personen die ganz gerne mal diskriminiert
werden entwickeln fast eine Art Paranoia/Fingerspitzengefühl
um eine Ablehnung für sich selbst Sattelfest zu begründen.
Die Liebe zur Unergründlichkeit ist dem Menschen naturgemäß
nicht in die Wiege gelegt und so leben von Diskriminierung
betroffene Menschen mit einer deutlich größeren Ungewissheit
als andere. Einer Ungewissheit warum eine Ablehnung jetzt
zustande gekommen ist. Wenn sie also rassistisch, sexistisch
oder in einer anderen Art ausgrenzend handeln seien sie sich
bewusst das sie damit jemanden verletzen könnten.
Sie verletzen Menschen, zumindest ab jetzt, mit Vorsatz und
ohne zureichende Begründung. Deshalb sind sie einfach ein
Arschloch.

Und nun noch was am Rande. Einst verbannte man das Wort
Nigger samt seinem Artgenossen Neger in die Untiefen des
sprachlich nicht mehr sag-baren. Natürlich wurde das Wort
Farbiger auch aufgrund seiner negativer Konnotierung, die auf die
Verwendung des Wortes innerhalb der Sprache zurückgeht,
ebenfalls zum Unaussprechlichen. Nun nennen wir Menschen mit
dunkler Hautfarbe Schwarze. Na gut, einen Versuch war es wert
könnte man sagen. Nun passiert nämlich was passieren musste.
Die negative Konnotation wird einfach von den verächtlich
gemachten Wörtern auf das neue übertragen. Siehe hier:

J: Weißt du warum Raben immer stehlen müssen?
K: Keine Ahnung. Warum?
J: Weil sie schwarz sind!

Ja und da hätten wir wieder den Salat. Man kann dem Kindchien
so oft man will einen neuen Namen geben. Wenn sich die
gesellschaftliche Realität dahinter nicht ändert, ändern auch die
Wörter nichts. Tut mir leid, ist aber so.

Ich hätte mir gewunschen zu diesem Thema nur Friede, Freude
und Käsekuchen zu finden. Leider war mir das nicht möglich.
Ich denke das viele der oben erwähnten Dinge eine Sache wieder
in den Diskurs bringen sollte von der man sich langfristig und
nachhaltig Besserung versprechen kann. Das ist schlicht und
ergreifend die Aufklärung. Und zwar die Aufklärung die wir vor
ein paar Jahrhunderten intensiv begonnen haben und die eher als
ein ständiger Prozess begriffen werden muss als etwas das man
für abgeschlossen erklären kann. Also allumfassende Aufklärung
im Allgemeinen und Aufklärung im speziellen das auch Menschen
mit einer von einem selbst unterschiedenen Hautfarbe und
differenten Muskelfasern ihre ehrliche Chance verdient haben.
Hier geht es nicht darum allen das gleiche Ergebnis zu
versprechen aber man sollte allen die gleichen Chancen geben.
Vollständig oder gar Abschließend wurde das Thema hier natürlich
nicht behandelt aber ich habe mich bemüht die Sache adäquat zu
reflektieren.

“Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.”
– Ingeborg Bachmann.

[0]
EMRK: Art. 2; Recht auf Leben

(1) Das Recht jedes Menschen auf Leben wird gesetzlich
geschützt. Niemand darf absichtlich getötet werden, […]

(2) Eine Tötung wird nicht als Verletzung dieses Artikels betrachtet, wenn sie durch eine Gewaltanwendung verursacht
wird, die unbedingt erforderlich ist, um
[…]
c) einen Aufruhr oder Aufstand rechtmäßig niederzuschlagen.

[1] Je nach bestehen von Weisungsrecht und Klubzwang.

— End-of-Topic —