Wie Immigration die Solidarität schwächt.

(6/2016 A.D.)
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Es gibt ein Phänomen das politisch ganz gerne mal in
Wahlkämpfen ausgenützt wird. Das sind codierte Phrasen die
oberflächlich zwar eine gewisse, vielleicht sogar politisch
vertretbare Ausrichtung haben aber auf einer Art Metaebene eine
zusätzliche Botschaft transportieren. Wenn jemand im politischen
Bereich davon spricht Sozialleistungen zu kürzen, mag das
vordergründig meist der Idee der Leistungssteigerung durch
ökonomischen Druck entsprechen und ein Versuch sein die
Lohn/Stückkosten damit zu drücken indem man den Druck auf die
Arbeitnehmer selbst erhöht.

In zweiter Linie spricht sie aber natürlich auch jene an die
genau wissen welche Ethnien, Kulturen und Personengruppen
sich primär in den davon betroffenen Gefilden bewegen.

Wie sehr es mich auch davor ekelt. Es ändert nichts an meinen
Ergebnissen. Individuen verhalten sich weniger solidarisch
miteinander je ferner ihnen die Personen oder Personengruppen
erscheinen mit denen sie sich solidarisch erklären könnten.
Das mag im Einzelnen nicht so sein. Statistisch gibt es aber
eine eindeutige Signifikanz.

Es gibt Menschen die reichen dem anderen die Hand egal wer es
ist. Viele tun dies aber eben auch einfach nicht. Und eben diese
Personen die einst eine ansprechende Solidarität mit ihren
Mitmenschen verspürt haben wechseln vermehrt in das Lager
der weniger solidarisch ausgelegten (politischen) Lager.
In erster Linie zu den Konservativen und in zweiter Linie
natürlich auch zu den Rechtspopulisten. Ein Mitgrund auf
die politisch Rechte Seite zu rutschen, also in das Lager der
Konservativen, ist der Wunsch die eigenen Pfründe zu sichern.
Weil wenn man überhaupt fette Pfründe zu sichern hat diese
ja auch im Rahmen der vorherrschenden Spielregeln in unserem
Wirtschaftssystem erreicht wurden. Und wenn etwas in seiner
sanften Form funktioniert hat ist der Hang zu einer eben auch
in diesen Bereich fallenden Extremform nicht weit weg. In
sehr vereinfachte Form gegossen finden sie dies z.B. bei der
Konsumation von Drogen. Es gibt immer mal wieder Menschen
die denken weil ihnen 3 Biere gut getan haben 30 Biere ja noch
viel besser sein müssen.

In welchen Bereich jetzt der gesunde Egoismus schlechthin
politisch zu verorten ist, ist nicht eindeutig zu sagen. Ein
Sozialdemokrat hat eine andere Auffassung von gesundem
Egoismus als ein Konservativer. Sicher ist nur das z.B. die
Finanzierung eines Sozialsystems von der Bereitschaft der
Gesellschaft abhängt sich solidarisch zu erklären.
Die Bereitschaft Mindestsicherung oder ein Grundeinkommen zu
gewähren[0] schwächt sich ab je weiter die Gesellschaft auf
verschiedenen Ebenen und aus verschiedenen Gründen
auseinander driftet. Unter Umständen könnte man
Asolidarität als einen sich selbst verstärkenden Effekt
bezeichnen. Dafür fehlen mir im Moment konkrete Daten
die wohl auch schwerlich in einen Zusammenhang zu
bringen wären; aber diese Möglichkeit würde ich nicht
grundsätzlich ausschließen. Ein Beispiel wäre hier vielleicht
die U.S.A.. Der Grund warum dort ein Sozialsystem wie wir
es hier in weiten Teilen Europas kennen nicht existent ist
ist eben diese durchgreifende Entsolidarisierung der
Gesellschaft. Diese Entsolidarisierung entsteht aber
natürlich nicht nur unter Ausnutzung der, primär
kulturell gewachsenen, Abneigung gegenüber dem
Fremden sondern auch auf ganz anderen Ebenen. Eine
dieser Mittel ist z.B. die Steigerung des Egozentrismus
durch Medienpropaganda. Unterlegen sie einmal im Kopf
jede Fernsehwerbung mit den Worten:

“Ich Ich Ich Ich Ich…”.

Sie werden erstaunt sein wie oft dieser Text genauso
passend wäre wie das was dann eigentlich in dem Spott
geplappert wird.

Während man weiß das Bildung den Anteil der Straßenkriminalität
an der Gesamtkriminalität reduziert geht man in Kalifornien den
Weg das man an der Bildung spart damit man den Ausbau der
Gefängnisse, in denen dann erst wieder überwiegend
Straßenkriminelle sitzen, bezahlen kann (Hartmann). Statt die
Menschen zu unterrichten, sperrt man sie dann zur direkten
und indirekten Mehrwertlukrierung doch lieber einfach ein.
Gut zu sehen ist hier das es gar nicht mehr um
Menschen geht. Menschen wurden irrelevant.
Ein Gegenargument zur Bildung dürfte hier auch sein das sie mit
Bildung von Menschen nur den Schwerpunkt der Kriminalität
verschieben. Das heißt das sie zwar die Straßenkriminalität
reduzieren, dafür aber andere Kriminalitätsarten wie z.B.
Insiderhandel oder betrügerischer Krida fördern.

Wohin die Entsolidarisierung führt.
Wohin die Entsolidarisierung führt.

Gehen wir weiter …

Die Entsolidarisierung die immer weiter aus einer
Solidargemeinschaft heraus und in eine
Schicksalsgemeinschaft hinein führt ist durchaus
problematisch. Eine Schicksalsgemeinschaft ist ja eine
Gemeinschaft wo das Kennzeichnende und verbindende
Merkmal nicht mehr die zueinander solidarischen
Individuen sind sondern vielmehr das gemeinsam
aufgebürdete Schicksal die eigentliche Verbindung
darstellt. Das hat äußerst schwere Konsequenzen
wenn man sich z.B. die Situation in den verschiedensten
Vernichtungslagern ansieht. Nicht nur das da das
Personal|die Schlächter vollkommen von den Gefangenen
entsolidarisiert wurden(waren), es waren auch die
Gefangenen untereinander, aufgrund der Umstände,
ebenfalls nahezu vollkommen voneinander entsolidarisiert
also entkoppelt. Es kam dort wie zu erwarten sehr häufig
zu äußerst unschönen Szenen unter den Gefangenen selbst.

Ebensee 1945. So bringt man Menschen dazu sich gegenseitig zu fressen.
Ebensee 1945. So bringt man Menschen dazu sich gegenseitig zu fressen.

Und nun noch etwas zu dem auch hier innewohnenden
politischen Moment. Dieses Phänomen selbst ist sowohl
der politisch Linken als auch auf der politisch Rechten
Seite bekannt. Die Konservativen sind unschlüssig was
ihnen jetzt schwerer wiegt. Ihr Fremdenhass oder ihr
Hang zur Entsolidarisierung der Gemeinschaft in der
sie leben. Überwiegt der Fremdenhass würden sie mit
einem aussperren von Migranten zwar weniger die
Solidarität im inneren schwächen können aber
Konservative die noch sehr national verwurzelt sind
werden eher diesen Weg gehen. Ist ihnen jedoch die
Zersetzung der Solidarität im inneren wichtiger. Zum
Beispiel wenn sie schon längst globalisiert agieren.
Dann werden sie für die Aufnahme von Migranten
sein.

Die Aufnahme von Migrationsströmen, so herzensgut
sie auch wirken mögen, bewirkt, unter anderem, die
Schwächung des revolutionären Potenzials in den
Herkunftländern; so kann man auch dessen externe
Ressourcen-Ausbeutung leichter auf eine höhere Ebene
heben ohne das es zu Schwierigkeiten kommt. Ganz
abgesehen davon das sie die gefährlichsten Talente für
Entwicklung und soziale Umbrüche aus den
Entwicklungsländer abziehen.

Das hat dann den Vorteil das sich sollche Länder kaum
entwickeln können und auf ewig geknechtet dahinvegetieren
müssen.

(Und ja, natürlich ist es der Finanzimperialismus der die
meisten Migrationsbewegungen überhaupt erst auslöst.)

Der Linke Weg ist wohl auf die Gesamtsolidarität
innerhalb der Gesellschaft zu pochen und diese wo immer
es geht zu unterstützen. Hier liegen aber einige Steine im
Weg. Zum einen sind sich vor allem die Neuen Linken
kaum über die Entsolidarisierungseffekte im entsprechenden
Ausmaß bewusst noch sind sie in der Lage die Situation
ganzheitlich zu erfassen. Ich verwende hier ganz gezielt
den Ausdruck Neue Linke weil es einige Auffassungsunterschiede
gegenüber der Alten Linke gibt. Während die Alte Linke noch
gestritten hat wie man den die Festtagstorte gerecht verteilen
sollte, streitet sich die Neue Linke wer jetzt um wie viel
Prozent zu wenig von den Krümmeln bekommen hat.
Böse Zungen könnten hier natürlich bei der Neuen Linken etwas
benennen das man in der Kriminologie als Stockholm-Syndrom
kennt. Die Warnehmungsverzehrung die zum Stockholm-Syndrom
führt beruht auf der subjektiven Wahrnehmung der Geisel
selbst, welche nur einen kleinen Teil der Gesamtsituation zu
erfassen in der Lage ist.[1]. Diese Verbrüderung der Neuen
Linken, mit wem oder was auch immer, ist allerorts zu beobachten.
Das ist also jenes was ich meine wenn ich sage das die Neue
Linke nicht in der Lage ist die gesamtheitliche Situation zu
begreifen. In Wahrheit wissen sie ja noch nicht mal das man sie
gefangen hält. Ob dies auch bei den Konservativen der Fall ist;
das sie nämlich glauben das die Scheibe Brot welche man ihnen
gab und auf deren sie angewiesen sind ein Beweis dafür ist, dass
das Geißelnehmertum ja eh ihr Freund ist… Naja. Keine Ahnung.

Der Konservative.
Entschuldige KUF.

Warum die Linke aber ganz allgemein dieses Thema
nicht zur Sprache bringt ist die Gefahr das mit einem
großflächigen Bekanntwerden viele Leute auf die einfachste
Lösung gieren könnten. Und die einfachste Lösung wird eben
auch von den Rechten aufgrund weitergehender Motive angepeilt
und geht vom Aufnahmestopp für Migranten bis zur Forderung der
Remigration. Die Linke hat Angst das es ihr nicht gelingt die
Bevölkerung davon zu überzeugen das das einzige richtige
Gegenmittel gegen eine Entsolidarisierung der Gesellschaft
die Förderung der Solidarisierung der Gesellschaft ist.
Das eine solidarische Basis jedoch nicht gegen eine
unkontrollierte Einwanderung zu halten sein wird scheint
jedoch ebenfalls klar zu sein.

Wer nun die Frage <Cui bono?> stellt wird bei deren
Beantwortung wohl oder übel auch mit der entsprechenden
Antwort leben müssen. Vielleicht wäre es für sie besser
gewesen dies alles hier doch nicht zu lesen. In diesem
Fall tut es mir natürlich Leid – für Sie – nicht für mich.

Abschließend möchte ich sagen das ich mir manchmal einfach
nur wünsche das ich mich irre. Manchmal wünsche ich mir
nichts mehr als das ich mich einfach nur irre.

[0] Simmel, Georg: Soziologie. Der Arme. Band 11: “Aus diesem
Sinn der Armenpflege heraus wird klar, dass sie, indem sie dem
Wohlhabenden nimmt und den Armen gibt, doch keineswegs
auf ein Gleichwerden dieser individuellen Positionen geht,
daß ihr Begriff nicht einmal ihrer Tendenz nach die
Differenzierung der Gesellschaft in Arme und Reiche aufheben
will. Vielmehr liegt ihr die Struktur der Gesellschaft, wie
sie nun einmal besteht, zugrunde, im schärfsten Unterschied
gegen alle […] Bestrebungen, die gerade diese Struktur selbst
aufheben möchten. Ihr Sinn ist gerade, gewisse Erscheinungen
der sozialen Differenziertheit so weit abzumildern, daß jene
Struktur weiter auf dieser Ruhen kann.”
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“Die Interessen einer Nation an der Unterstützung ihrer Armen
sind vielfältig. Ihre Funktionen bestehen darin, die wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit der Armen wiederherzustellen“ , seine
Körperschaft vor dem Komplettausfall für die Wirtschaft zu
bewahren “und schließlich Impulse zu gewalttätiger Bereicherung
zu verhindern.”
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Das heißt das der soziale Frieden, sollte Frieden nicht per se
sozial sein, erkauft wird, anstatt ihn sich einfach durch rohe Gewalt
– zum eigenen Gunsten – zu nehmen. Folglich erfolgt die Art und
Weise der Zuwendungen an Bedürftige in einem Rahmen “das sie
die Erhaltung der betreffenden Totalität in ihrem Status quo erreicht.”.

[1] Slavoj Žižek würde es aber vielleicht auch einfach nur
>>heillose Dummheit, die sich als tiefe Weisheit maskiert<<
nennen.

— End-of-Topic —