Die Unberechenbarkeit in den Sozialwissenschaften.

(7/2016 A.D.)
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Während man mit einem weiten Blick auf die Gesellschaft
soziale Systeme und damit einhergehend oberflächlich
deren Gesetzmäßigkeiten erkennen kann, ist, wenn sie
in das Bild hineinzoomen mit einer gewissen
Unberechenbarkeit zu rechen.

Wenn in einem Sport-Stadion eine Panik entsteht können
sie über den Weg der Simulation ziemlich gut die
Bewegungen einschätzen und entsprechende baulichen
Maßnahmen ergreifen. Wenn ein einzelner Panik schiebt
ist das, selbst von der Psychologie nur mehr sehr
beschwerlich abschätzbar.

Eventuell könnte man in diesem Fall vielleicht sogar von einer
Unschärfe sprechen wenn die radikalen Konstruktivisten statt
dem Wort Unschärfe das korrekte Wort Unbestimmbarkeit
verwenden würden. Die radikalen Konstruktivisten meinen
nämlich jenes welches Heisenberg schon beschrieben hat,
dass nämlich alleine schon die Beobachtung das Ergebnis
verfälscht. Unschärfe wird einfach in diesem Fall als
populärwissenschaftlicher Ausdruck für Unbestimmbarkeit
verwendet.

Den Vorwurf den man dem psychologischen Behaviorismus
gemacht hat kann man unzulässig vereinfacht auch auf die
Theorie N.Luhmanns anwenden. Auch wenn Luhmann das
selbst bestritten hätte. Problematik liegt in beiden Fällen
an einer Art fehlenden Tiefenschärfe. Das heißt, dass sowohl
jene die die Gesellschaft von unten mit dem Menschen als
kleinste Einheit erklären wollen als auch jene welche nur mehr
oberflächliche Systeme erkennen wollen zu kurz greifen.
Man muss sich die Dinge immer von mindestens zwei Seiten
ansehen um eine größere Räumlichkeit zu erkennen.
Zumindest wenn man eine ganzheitliche Sicht auf die Dinge
erringen will.

Die Übertragung von Systemregeln von einer (Art)-Systemebene
auf andere beliebige Systemebenen ist ein sehr mächtiges aber
ebenso gefährliches Brauchtum. Es gibt meist einfache
Gesetzmäßigkeiten die sehr wohl übertragbar sind.
Aber es sind eben nicht alle.[0]

Eines dieser implizierten Annahmen betreffen z.B. emergente
Phänomene, also Dinge die sich im Großen zeigen aber nicht
aus dem kleinen vorhersehbar waren. Man kann also Vorgänge
die man auf einer Systemebene beobachtet hat auf eine ganz
andere Ebene übertragen. Einfach um zu sehen ob es nicht
zumindest ähnliche Effekte und Phänomene gibt. Man sucht
quasi ein Muster in den Mustern. Wie gesagt. Kann funktionieren,
muss aber nicht. Um etwas emotionale Kälte aus der
systemtheoretischen Betrachtung zu nehmen sollte man
allerdings nie vergessen das-die-Menschen der integralste
und wichtigste Bestandteil der gesamten Szenerie sind.

[0] Um Systeme zu vergleichen sieht man als erstes
nach welche Eigenheiten die Systeme haben.
Struktur – einfach | kompliziert.
Verhalten – einfach | komplex.
Handelt es sich um abgeschlossene,
geschlossene oder offene Systeme.
U.s.w.u.s.f.; etc. pp.

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